AKARŞEN KAANSCIENCE · BOOKS · COSMOSFolgen

ARŞEN KAAN · 2026

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15 Artikel
Visualisierung eines schnell wachsenden Schwarzen Lochs im frühen Universum

Webbs Kleine Rote Punkte: Schwere Schwarze-Loch-Keime aus ATERUI III

Eine hochauflösende ATERUI-III-Simulation zeigt, wie schwere Schwarze-Loch-Keime unter den Bedingungen des frühen Universums natürlich entstehen und extrem schnell wachsen können.

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Das James-Webb-Weltraumteleskop entdeckte eine rätselhafte Population kleiner, kompakter und extrem roter Quellen im frühen Universum. Diese „Little Red Dots“ sind im Infrarot auffällig und werden in einer Epoche beobachtet, in der das Universum erst wenige hundert Millionen Jahre alt war.

Die zentrale Frage lautet: Wie konnten schon so früh Schwarze Löcher mit Millionen oder sogar Milliarden Sonnenmassen entstehen?

Eine Simulation auf ATERUI III

Ein Team um Sunmyon Chon vom Max-Planck-Institut für Astrophysik untersuchte diese Frage mit hochauflösenden kosmologischen Simulationen auf dem Astronomie-Supercomputer ATERUI III des National Astronomical Observatory of Japan. Die Arbeit „Overmassive black holes and little red dots naturally form in simulations“ erschien in Nature.

Die Simulation beginnt in der Umgebung einer frühen Galaxie und zoomt bis zu einzelnen Gaswolken hinein. Dadurch lässt sich verfolgen, unter welchen Bedingungen schwere Schwarze-Loch-Keime entstehen können.

Von der Gaswolke zum schweren Keim

Intensive ferne UV-Strahlung benachbarter Galaxien kann die Bildung vieler kleiner Sterne in einer Gaswolke unterdrücken. Statt zu fragmentieren, kann das Gas zu einem einzigen supermassereichen Stern kollabieren. Dieser fällt anschließend zu einem ungewöhnlich schweren Schwarzen-Loch-Keim zusammen.

In den Simulationen können solche Keime sehr hohe Anfangsmassen erreichen. Dafür sind weder exotische neue Physik noch ein extrem unwahrscheinlicher Zufall erforderlich — entscheidend sind die besonderen Strahlungs- und Gasbedingungen des jungen Universums.

Wachstum weit über dem heutigen Tempo

Nach seiner Entstehung liegt der Keim in einer dichten, optisch dicken Gasscheibe. Diese Umgebung hält einen Teil der Strahlung zurück und kann eine Akkretion ermöglichen, die deutlich über dem gewöhnlichen Eddington-Regime liegt. So wachsen die simulierten Schwarzen Löcher um ein Vielfaches schneller, als es unter heutigen kosmischen Bedingungen möglich wäre.

Die Eigenschaften dieser verhüllten, rasch wachsenden Objekte stimmen in wichtigen Punkten mit den von Webb beobachteten Little Red Dots überein. Das Modell verbindet damit die Entstehung schwerer Keime und ihre anschließende schnelle Wachstumsphase.

Starkes Modell, aber noch kein vollständiger Beweis

Die Studie liefert eine überzeugende und physikalisch plausible Erklärung. Sie beweist jedoch nicht, dass sämtliche Little Red Dots ausschließlich solche Wachstumsphasen Schwarzer Löcher sind. Die Population könnte unterschiedliche Objekttypen enthalten. Weitere spektroskopische Beobachtungen müssen zeigen, wie allgemein das Modell gilt.

Die vorsichtige Schlussfolgerung lautet daher: ATERUI III zeigt, dass die frühen supermassereichen Schwarzen Löcher kein „Wunder“ benötigen könnten — sondern die richtigen Bedingungen.

NAOJ · Offizielle ForschungsmitteilungNature · DOI 10.1038/s41586-026-10985-8
Der kleine Saturnmond Daphnis formt Wellen an den Rändern der Keeler-Lücke

Ein kleiner Mond – und riesige Wellen in Saturns Ringen

Der nur rund acht Kilometer große Mond Daphnis stört mit seiner Gravitation die Ränder der Keeler-Lücke und erzeugt dort hohe Wellenstrukturen.

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Aus der Ferne wirken Saturns Ringe ruhig und beinahe vollkommen flach. Doch in der schmalen Keeler-Lücke des A-Rings zieht ein kleiner Mond seine Bahn: Daphnis.

Daphnis misst nur ungefähr acht Kilometer im Durchmesser. Seine Gravitation reicht dennoch aus, die Bahnen der benachbarten Eis- und Staubteilchen zu verändern. Dadurch entstehen an den Rändern der Lücke charakteristische Wellen, die dem Mond auf der inneren Seite vorauseilen und ihm auf der äußeren Seite folgen.

Weil die Bahn von Daphnis leicht gegen die Ringebene geneigt ist, besitzen diese Störungen auch eine vertikale Komponente. Cassini-Aufnahmen nahe der Tagundnachtgleiche machten lange Schatten sichtbar. Aus ihnen wurden Höhen von etwa 0,5 bis 1,5 Kilometern abgeleitet — enorm im Vergleich zur nur ungefähr zehn Meter dicken Hauptringebene.

Die Wechselwirkung ist mehr als ein eindrucksvolles Bild. Ringe sind Scheiben aus unzähligen wechselwirkenden Teilchen. An Daphnis lässt sich beobachten, wie die Gravitation eines eingebetteten Körpers solche Scheiben strukturiert. Vergleichbare Grundprozesse spielen auch in Scheiben um junge Sterne eine Rolle, obwohl Größenordnungen und Material dort anders sind.

Das verwendete Titelbild ist eine künstlerische Darstellung. Die Wellen selbst wurden jedoch von Cassini beobachtet und vermessen. Ein winziger Mond zeigt damit sichtbar, wie Gravitation eine ausgedehnte Scheibe formt.

NASA/JPL · Wave Shadows in MotionESA · Daphnis in der Keeler-Lücke
Künstlerische Darstellung des LUX-ZEPLIN-Detektors mit einem seltenen Teilchensignal

1,5 Kilometer unter der Erde wurde ein ungewöhnliches Signal registriert

LUX-ZEPLIN registrierte einen einzelnen Kernrückstoß bei etwa 248 keV. Mit global rund 2,6 Sigma ist das interessant, aber kein Nachweis Dunkler Materie.

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Tief unter den Black Hills in South Dakota arbeitet LUX-ZEPLIN, kurz LZ. Der Detektor befindet sich rund 1,5 Kilometer unter der Erde und enthält mehrere Tonnen hochreines flüssiges Xenon. Dort suchen Forschende nach extrem seltenen Wechselwirkungen hypothetischer Dunkle-Materie-Teilchen.

In einer Analyse mit erweitertem Energiebereich wurde ein einzelnes ungewöhnliches Ereignis gefunden. Es entspricht einem Rückstoß eines Xenon-Atomkerns mit einer Energie von ungefähr 248 keV. Einige Modelle schwerer oder inelastisch streuender Dunkle-Materie-Teilchen könnten ein solches Signal erzeugen.

Interessant ist, dass in diesem Energie- und Ortsbereich nur sehr wenig bekannter Hintergrund erwartet wird. Das Team untersuchte seltene Hintergrundprozesse und Detektoreffekte, ohne einen davon als überzeugende Erklärung des Ereignisses zu identifizieren.

Ein Ereignis genügt jedoch nicht für eine Entdeckung. Nach Berücksichtigung des Look-Elsewhere-Effekts beträgt die globale statistische Signifikanz ungefähr 2,6 Sigma. Das liegt deutlich unter der in der Teilchenphysik üblichen Entdeckungsschwelle von fünf Sigma.

Auch die Eigenschaften eines möglichen Teilchens lassen sich aus diesem einen Ereignis nicht eindeutig bestimmen. Verschiedene theoretische Modelle können zu unterschiedlichen Massen und Wechselwirkungen führen.

LZ sammelt weiter Daten. Treten weitere Ereignisse mit denselben Merkmalen auf, kann die Auffälligkeit an Bedeutung gewinnen. Bleiben sie aus, wird sie wahrscheinlich als seltene Hintergrundschwankung eingeordnet. Die korrekte Aussage lautet deshalb: Dunkle Materie wurde nicht nachgewiesen — LZ hat ein einzelnes, bislang nicht überzeugend erklärtes Ereignis registriert.

LUX-ZEPLIN · offizielle Projektseite und ErgebnisLZ-Preprint · erweiterter Kernrückstoßbereich
Künstlerische Darstellung eines Schwarzen Lochs mit Galaxien im Inneren

Könnte unser Universum in einem Schwarzen Loch liegen?

Eine auffällige Asymmetrie bei 263 Spiralgalaxien im JADES-Feld sorgt für Diskussionen – ein Beweis für ein Universum im Schwarzen Loch ist sie nicht.

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Eine Auswertung von Beobachtungen des James-Webb-Weltraumteleskops hat eine ungewöhnliche Frage wieder in den Fokus gerückt.

In einer 2025 veröffentlichten Studie wurden 263 Spiralgalaxien im JADES-GOODS-S-Feld untersucht. Der verwendete Algorithmus ordnete 158 Galaxien einer scheinbaren Drehrichtung und 105 der entgegengesetzten zu. Unter der Annahme einer rein zufälligen Verteilung entspricht das in dieser Stichprobe einer statistischen Auffälligkeit von rund 3,4 Sigma.

Was bedeutet das? Noch wissen wir es nicht. Mögliche Erklärungen reichen von Eigenschaften der Galaxien und ihrer Abbildung über Auswahl- und Klassifikationseffekte bis zu Einflüssen unserer Beobachtungsperspektive in der Milchstraße. Andere Untersuchungen der Galaxiendrehrichtungen kamen zudem nicht immer zu denselben Ergebnissen.

Eine deutlich spekulativere Möglichkeit ist, dass das Universum auf großen Skalen eine bevorzugte Drehrichtung besitzen könnte. In einigen alternativen kosmologischen Modellen wird sogar diskutiert, ob unser Universum mit dem Inneren eines Schwarzen Lochs in einer größeren Raumzeit verbunden sein könnte.

Wichtig ist jedoch: JWST hat keinen Beweis dafür gefunden, dass wir in einem Schwarzen Loch leben. Beobachtet wurde lediglich eine Asymmetrie in einer bestimmten und räumlich begrenzten Stichprobe von Spiralgalaxien.

Ob dahinter neue Physik, eine Eigenschaft der untersuchten Galaxien oder ein bislang unterschätzter Beobachtungseffekt steckt, ist offen. Gerade deshalb ist die Abweichung interessant – als Ausgangspunkt für weitere, unabhängige Tests.

MNRAS · Studie von Lior ShamirPreprint auf arXiv
Erde auf ihrer gekrümmten Umlaufbahn um die Sonne

Die Erde fällt ständig zur Sonne – und trifft sie nie

Eine Umlaufbahn ist dauernder freier Fall: Die Sonne zieht die Erde an, während deren seitliche Geschwindigkeit sie immer wieder vorbeifallen lässt.

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Warum stürzt die Erde nicht einfach in die Sonne? Schließlich zieht die Sonne unseren Planeten mit ihrer Gravitation ständig an.

Die überraschende Antwort lautet: Die Erde fällt tatsächlich permanent zur Sonne. Gleichzeitig bewegt sie sich jedoch mit hoher Geschwindigkeit seitlich weiter. Aus beiden Bewegungen zusammen entsteht ihre Umlaufbahn.

Man kann sich das mit Newtons berühmtem Gedankenexperiment vorstellen: Ein waagerecht geworfener Körper fällt zur Erde. Ist er schnell genug und gibt es keine bremsende Atmosphäre, krümmt sich die Erdoberfläche unter ihm im gleichen Maß weg. Der Körper fällt weiter – verfehlt den Boden aber fortwährend.

Die Erde bewegt sich im Mittel mit knapp 30 Kilometern pro Sekunde um die Sonne. Ohne Gravitation würde sie annähernd geradlinig weiterfliegen; die Anziehung der Sonne krümmt diese Bewegung kontinuierlich nach innen. Tatsächlich ist die Erdbahn leicht elliptisch und keine perfekte Kreisbahn.

Dasselbe Grundprinzip hält den Mond auf seiner Bahn um die Erde und künstliche Satelliten im Orbit. Eine Umlaufbahn ist deshalb im Kern ein dauernder freier Fall um einen Himmelskörper.

Die Erde wird also nicht von einer unsichtbaren Stütze getragen. Sie fällt – und verfehlt die Sonne seit Milliarden Jahren immer wieder.

NASA Space Place · Orbits
Zwei Atomuhren in unterschiedlichen Stockwerken eines Hochhauses

Ein Stockwerk höher – und die Zeit läuft schneller

Schon kleine Höhenunterschiede verändern den Gang präziser Uhren – eine direkte Folge der Allgemeinen Relativitätstheorie.

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Zeit vergeht nicht überall gleich schnell. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber eine direkte Folge von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie.

Je tiefer sich eine Uhr in einem Gravitationsfeld befindet, desto langsamer läuft sie im Vergleich zu einer höher gelegenen Uhr. Deshalb geht eine Uhr auf Meereshöhe minimal langsamer als eine identische Uhr einige Meter darüber.

Der Unterschied ist winzig, aber mit modernen Atomuhren messbar. Das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology wies den Effekt 2010 bereits bei einem Höhenunterschied von 33 Zentimetern nach. Neuere optische Uhren können noch kleinere Unterschiede auflösen.

Für ein typisches Stockwerk von etwa drei Metern ergibt sich nahe der Erdoberfläche nur eine Abweichung in der Größenordnung von einigen zehn Pikosekunden pro Tag. Im Alltag ist das vollkommen unmerklich.

Für hochpräzise Technik ist Relativität dennoch entscheidend. Bei GPS müssen sowohl die gravitative Zeitdilatation als auch die geschwindigkeitsbedingte Zeitdilatation der Satelliten berücksichtigt werden. Ohne diese Korrekturen würden die Positionsangaben rasch ungenau.

Zeit ist also keine überall gleich tickende universelle Größe. Wie schnell eine Uhr läuft, hängt auch davon ab, wo sie sich im Gravitationsfeld befindet.

NIST · Atomuhren und RelativitätNIST/JILA · Messung im Millimeterbereich
Lichtpuls in einer experimentellen Kammer mit präparierter Materie

Forscher können Licht fast zum Stillstand bringen – aber nicht so, wie man denkt

Beim sogenannten Stoppen des Lichts wird kein Photon eingefroren: Die Information eines Lichtpulses wird vorübergehend in Materie gespeichert.

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Licht bewegt sich im Vakuum mit rund 300.000 Kilometern pro Sekunde. Ein Photon im Vakuum kann nicht einfach auf eine kleinere Geschwindigkeit abgebremst und dort angehalten werden.

Trotzdem können Forschende Lichtpulse in speziell präparierter Materie extrem stark verlangsamen und zeitweise speichern. Dazu nutzen sie beispielsweise ultrakalte Atomgase oder geeignete Festkörper und ein Verfahren namens elektromagnetisch induzierte Transparenz, kurz EIT.

Dabei wird vor allem die Gruppengeschwindigkeit eines Lichtpulses verändert – also die Geschwindigkeit, mit der sich seine Hüllkurve und die darin codierte Information durch das Medium bewegen. Das ist nicht dasselbe wie eine Änderung der fundamentalen Lichtgeschwindigkeit im Vakuum.

Beim sogenannten Stoppen des Lichts wird das Photon nicht wie ein eingefrorenes Objekt im Raum festgehalten. Stattdessen wird der Quantenzustand des Lichtfeldes in eine kollektive Anregung der Materie übertragen. Ein späterer Kontrollpuls kann diese gespeicherte Information wieder in Licht zurückverwandeln.

Experimente haben auf diese Weise Lichtinformationen für messbare Zeiträume gespeichert – in einem EIT-Festkörper sogar länger als eine Sekunde. Solche Verfahren sind wichtige Bausteine für Quantenspeicher, Quantenrepeater und zukünftige Quantennetzwerke.

Das Erstaunliche ist deshalb nicht, dass ein Photon stillsteht. Es ist die Möglichkeit, den Zustand eines Lichtpulses in Materie zu schreiben und später wieder auszulesen.

Physical Review Letters · Licht länger als eine Sekunde gespeichertReview zu EIT-Quantenspeichern
Historische Aufnahme von Mark Twain mit einer leuchtenden Lampe in Nikola Teslas Labor

1894 sah das wie Magie aus

Mark Twain hält in Nikola Teslas Labor eine experimentelle Lampe, die durch hochfrequente elektromagnetische Energie zum Leuchten gebracht wird.

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Dieses Foto wirkt beinahe wie eine Szene aus früher Science-Fiction. Es entstand im Frühjahr 1894 im New Yorker Labor von Nikola Tesla.

Zu sehen ist der Schriftsteller Mark Twain, der eine experimentelle Vakuumlampe hält. Die Lampe war Teil von Teslas Versuchen mit hochfrequenten Strömen und elektromagnetischer Energie. Eine Drahtschleife nahm Energie von einer Tesla-Spule auf, die auf dem Bild selbst nicht zu sehen ist.

Die Aufnahme zeigt deshalb nicht einfach eine moderne kabellose Glühbirne. Sie dokumentiert eine konkrete Laborvorführung, bei der hochfrequente elektrische Felder eine Lampe zum Leuchten brachten.

Mark Twain war kein zufälliger Besucher. Er kannte Tesla persönlich und interessierte sich für dessen Experimente. Im Hintergrund der Aufnahme ist Tesla selbst zu erkennen.

Das Bild erschien im April 1895 in The Century Magazine als Teil des Artikels „Tesla's Oscillator and Other Inventions“ von Thomas Commerford Martin.

Die Fotografie erinnert daran, wie futuristisch Elektrizität am Ende des 19. Jahrhunderts wirkte. Was heute als technische Demonstration erklärbar ist, musste damaligen Beobachtern tatsächlich wie Magie erscheinen.

IEEE · Historische PrimärquelleUniversity of Virginia · Bildquelle
Satellitenansicht mit den Hurrikans Lowell, Karina und Marie über dem Pazifik

Drei Hurrikans gleichzeitig über dem Pazifik

Am 4. September 2026 waren Lowell, Karina und Marie gleichzeitig als Hurrikans aktiv – eine eindrucksvolle, aber schnell veränderliche Momentaufnahme.

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Am 4. September 2026 waren über dem Pazifik drei Hurrikans gleichzeitig aktiv: Lowell, Karina und Marie. Satellitenbilder zeigten die Wirbelstürme wie eine Kette über dem riesigen Ozean.

Besonders stark entwickelte sich Lowell. Der Sturm erreichte zeitweise Kategorie 5 mit anhaltenden Windgeschwindigkeiten von etwa 160 Meilen beziehungsweise 257 Kilometern pro Stunde. Danach schwächte er sich wieder ab.

Diese zeitliche Einordnung ist wichtig: Tropische Wirbelstürme können ihre Stärke innerhalb weniger Stunden deutlich verändern. Das Bild zeigt deshalb keine dauerhaft gültige aktuelle Lage, sondern einen konkreten Moment Anfang September.

Tropische Wirbelstürme beziehen einen großen Teil ihrer Energie aus warmem Meerwasser. Zusätzlich beeinflussen Windscherung, Luftfeuchtigkeit und großräumige Zirkulationsmuster, ob sich ein Sturm bilden und verstärken kann.

Auch El Niño verändert die Bedingungen in den verschiedenen Pazifikregionen. Eine einzelne aktive Sturmphase lässt sich jedoch nicht allein auf El Niño zurückführen, und aus langfristigen Prognosen sollte kein bereits feststehender „Super-El-Niño“ abgeleitet werden.

Für Hawaii bedeutete die Konstellation keinen automatischen direkten Treffer. Auch entfernte Hurrikans können jedoch hohe Wellen, gefährliche Brandung und starke Strömungen erzeugen.

Die Aufnahme ist damit mehr als spektakulär: Sie zeigt, wie dynamisch und eng gekoppelt Ozean und Atmosphäre sind.

NOAA/NHC · Archiv der Saison 2026NOAA · Grundlagen zu El Niño
Illustration des Tauchboots Titan in großer Meerestiefe

Titan: Warum der Druckkörper versagte

Die NTSB-Untersuchung führt die Implosion der Titan auf einen unzureichend ausgelegten und bereits geschädigten Kohlefaser-Druckkörper zurück.

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Am 18. Juni 2023 begann das Tauchboot Titan seinen Abstieg zum Wrack der Titanic. An Bord waren Stockton Rush, Hamish Harding, Paul-Henri Nargeolet, Shahzada Dawood und sein 19-jähriger Sohn Suleman.

Etwa eine Stunde und 45 Minuten nach Beginn des Tauchgangs brach der Kontakt ab. Der Druckkörper versagte und das Tauchboot implodierte. Alle fünf Menschen an Bord starben.

In der Tiefe des Titanic-Wracks wirkt ein Außendruck von mehreren hundert Atmosphären. Wenn ein Druckkörper dort seine Tragfähigkeit verliert, wird er nicht langsam mit Wasser gefüllt: Seine Struktur kann innerhalb kürzester Zeit katastrophal nach innen kollabieren.

Die abgeschlossene Untersuchung des US National Transportation Safety Board kam zu dem Ergebnis, dass der Kohlefaserverbund-Druckkörper bereits nach einem früheren Tauchgang eine oder mehrere Delaminationen erlitten hatte. Weitere Schäden schwächten die Struktur zusätzlich. Beim letzten Tauchgang führte dies zu einem lokalen Beulversagen und zur Implosion.

Das NTSB stellte außerdem fest, dass OceanGates Entwicklungs- und Testverfahren unzureichend waren. Die tatsächliche Festigkeit und Dauerhaltbarkeit des Druckkörpers waren nicht ausreichend bestimmt worden. Daten des Echtzeit-Überwachungssystems wurden fehlerhaft ausgewertet, sodass die vorhandene Schädigung nicht erkannt und das Tauchboot nicht außer Betrieb genommen wurde.

Auch die US-Küstenwache bezeichnete die Katastrophe als vermeidbar. Die Titan erinnert damit an eine grundlegende Regel des Ingenieurwesens: Unter extremen Bedingungen sind Werkstoffprüfung, Sicherheitsreserven, unabhängige Kontrolle und konsequente Reaktion auf Warnsignale Teil der Konstruktion – keine Nebensache.

NTSB · Abschluss der Titan-UntersuchungU.S. Coast Guard · Titan Marine Board of Investigation
Künstlerische Darstellung der jungen Sonne, ihrer Staubscheibe und Magnetfelder

Ein winziges Staubkorn verrät, wie unsere Sonne entstand

Mikroskopische Minerale eines uralten Meteoriten bewahren Hinweise auf die Magnetfelder, die Materie in die junge Sonne gelenkt haben könnten.

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Vor rund 4,6 Milliarden Jahren gab es weder die Erde noch die anderen Planeten. Um die junge Sonne befand sich eine rotierende Scheibe aus Gas und Staub, aus der später unser Sonnensystem entstand.

Doch dabei gibt es ein grundlegendes physikalisches Problem: Materie, die schnell um einen jungen Stern kreist, fällt nicht einfach nach innen. Sie muss einen Teil ihres Drehimpulses verlieren. Eine wichtige Rolle könnten dabei Magnetfelder gespielt haben.

Forschende des MIT untersuchten winzige mineralische Einschlüsse in einem sehr alten Meteoriten. Diese sogenannten Calcium-Aluminium-reichen Einschlüsse gehören zu den ältesten bekannten Feststoffen des Sonnensystems und entstanden bereits in dessen frühester Phase.

Einige ihrer eisenhaltigen Minerale bewahrten beim Abkühlen eine Art magnetischen Fingerabdruck. Dadurch konnten die Forschenden abschätzen, wie stark das Magnetfeld in der Umgebung der jungen Sonne gewesen sein könnte.

Das Ergebnis: Das Magnetfeld der frühen protoplanetaren Scheibe war offenbar deutlich stärker als das heutige Magnetfeld im interplanetaren Raum. Solche Magnetfelder könnten Gas abgebremst und Drehimpuls nach außen transportiert haben. Dadurch konnte Materie weiter nach innen strömen und auf die junge Sonne fallen.

Bemerkenswert ist vor allem, woher diese Information stammt: aus mikroskopisch kleinen Mineralen, die seit mehr als 4,5 Milliarden Jahren existieren. Ein winziger Bestandteil eines Meteoriten kann Hinweise auf Prozesse bewahren, die stattfanden, lange bevor die Erde überhaupt existierte.

Manchmal steckt die Geschichte unseres Sonnensystems nicht in riesigen Teleskopen, sondern in einem Staubkorn.

Konzeptdarstellung eines Solargürtels um den Mond mit Energieübertragung zur Erde

11.000 Kilometer Solarzellen um den Mond – und der Strom soll zur Erde kommen

Das LUNA-RING-Konzept von Shimizu sieht einen rund 11.000 Kilometer langen Solargürtel am Mondäquator vor – gebaut wird er derzeit nicht.

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Es klingt wie eine Idee aus einem Science-Fiction-Film: Ein japanischer Baukonzern hat ein Konzept entwickelt, bei dem der Mond selbst zu einem gigantischen Solarkraftwerk werden soll.

Die Vision trägt den Namen LUNA RING und stammt von der Shimizu Corporation. Entlang des Mondäquators soll sich ein gewaltiger Gürtel aus Solaranlagen erstrecken – rund 11.000 Kilometer beziehungsweise etwa 6.800 Meilen um den Mond herum. In verschiedenen Darstellungen reicht seine geplante Breite von wenigen Kilometern bis zu mehreren hundert Kilometern.

Der erzeugte Strom würde zu Anlagen auf der erdzugewandten Seite des Mondes transportiert und anschließend als Mikrowellen- oder Laserenergie zur Erde übertragen. Empfangsstationen auf unserem Planeten würden diese Energie wieder in nutzbaren elektrischen Strom umwandeln.

Auch die Bauweise wäre außergewöhnlich. Statt sämtliche Materialien von der Erde zum Mond zu transportieren, sieht das Konzept vor, Mondressourcen zu nutzen und große Teile der Arbeiten durch Roboter ausführen zu lassen.

Der entscheidende Punkt: LUNA RING wird derzeit nicht gebaut. Es handelt sich um eine langfristige technische Vision von Shimizu – ohne bestätigten Baubeginn und ohne Nachweis, dass ein Energiesystem dieser Größenordnung praktisch realisierbar wäre.

Auch die oft erwähnte kontinuierliche Energieversorgung ist bislang eine Eigenschaft des theoretischen Konzepts und keine demonstrierte Technologie. Trotzdem zeigt die Idee, wie weit Ingenieure bei der Energieversorgung der Zukunft denken: vielleicht nicht nur auf der Erde, sondern 384.000 Kilometer entfernt auf dem Mond.

Quelle: Shimizu Corporation, LUNA RING Concept.

Milchstraße und Sagittarius-Zwerggalaxie mit langem Sternstrom

Die Milchstraße verschlingt gerade eine andere Galaxie

Die Milchstraße zerlegt die Sagittarius-Zwerggalaxie und verteilt deren Sterne in einem gewaltigen Strom um unsere Galaxie.

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Galaxienverschmelzungen klingen nach Ereignissen aus der fernen Vergangenheit. Doch eine davon findet direkt vor unserer kosmischen Haustür statt.

Die Milchstraße zerlegt derzeit die Sagittarius-Zwerggalaxie, eine kleine Begleitgalaxie, die seit Milliarden Jahren mit unserer Galaxie wechselwirkt. NASA beschreibt diese Verschmelzung als vor mehr als sechs Milliarden Jahren begonnen – und bis heute andauernd.

Der Grund ist Gravitation. Bei wiederholten Begegnungen mit der Milchstraße wirken gewaltige Gezeitenkräfte auf Sagittarius. Sterne werden aus der Zwerggalaxie herausgerissen und über enorme Entfernungen verteilt.

So entsteht der Sagittarius-Strom: ein riesiges Band aus Sternen, das sich um die Milchstraße zieht. Daten der ESA-Mission Gaia zeigen Sagittarius und die von der Gravitation unserer Galaxie hinterlassenen Sternstrukturen.

Das geschieht nicht wie ein plötzlicher Zusammenstoß. Sagittarius hat die Scheibe der Milchstraße mehrfach passiert. Bei jeder Begegnung verlor die Zwerggalaxie weiteres Material und wurde kleiner. Mindestens drei bedeutende Passagen werden für die vergangenen Milliarden Jahre rekonstruiert.

Sagittarius beeinflusst dabei sogar seinen größeren Nachbarn: Die Begegnungen haben Bewegungsmuster zahlreicher Sterne in der galaktischen Scheibe gestört und könnten Episoden verstärkter Sternentstehung ausgelöst haben.

Langfristig dürfte Sagittarius vollständig in der Milchstraße aufgehen. Wir beobachten galaktischen Kannibalismus damit nicht nur in weit entfernten Galaxien – er geschieht in unserer eigenen.

Quellen: ESA/Gaia und NASA/Hubble.

Große Porträts chinesischer Wissenschaftler auf Bildschirmen in einer U-Bahn-Station

Wenn Forscher den Platz von Stars bekommen: China macht Wissenschaft sichtbar

In Zhengzhou wurden stark frequentierte U-Bahn-Displays für Porträts von Forschern und nationalen Vorbildern genutzt – dort, wo sonst Werbung um Aufmerksamkeit konkurriert.

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Auf riesigen Bildschirmen in U-Bahn-Stationen von Zhengzhou erschienen Ende August 2026 Gesichter, die auf solchen Flächen sonst selten zu sehen sind: keine Produktwerbung und keine Unterhaltungsprominenz, sondern Forscher und andere nationale Vorbilder.

Die öffentliche Kampagne lief gleichzeitig an drei stark frequentierten Umsteigestationen: Convention and Exhibition Center, Lvcheng Square und Huanghe South Road. Genutzt wurden lange Hallenbildschirme, Säulendisplays und Anzeigen in Verbindungsgängen.

Gezeigt wurden Qian Xuesen, Deng Jiaxian, Yu Min, Zhang Fuqing, Yuan Longping und Tu Youyou. Sie stehen für Raumfahrt, Kernphysik, Landwirtschaft, Medizin und gesellschaftliches Engagement.

Tu Youyou erhielt 2015 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für ihre Entdeckungen zur Malariatherapie. Ihre Forschung führte zu Artemisinin-basierten Behandlungen. Yuan Longping wurde durch seine Pionierarbeit an Hybridreis bekannt. Qian Xuesen prägte Chinas Raumfahrt- und Raketenforschung, Deng Jiaxian und Yu Min spielten zentrale Rollen in der chinesischen Kernphysik.

Über den Porträts stand sinngemäß die Botschaft: Das sind die Persönlichkeiten, denen wir Aufmerksamkeit schenken sollten. Viele Passanten blieben stehen, fotografierten die Motive und diskutierten sie in sozialen Netzwerken.

Wichtig ist die Einordnung: Es gibt keinen Beleg dafür, dass China landesweit Werbung oder Influencer durch Wissenschaftler ersetzt hat. Dokumentiert sind lokale öffentliche Kampagnen in Zhengzhou und weiteren chinesischen Städten. Gerade diese Begrenzung macht die Idee nicht weniger interessant.

Denn Aufmerksamkeit ist eine knappe gesellschaftliche Ressource. Wen eine Stadt an ihren sichtbarsten Orten zeigt, vermittelt auch, welche Leistungen sie für vorbildlich hält. Ein Kind, das auf dem Schulweg die Gesichter von Forschern sieht, kann eine andere Vorstellung davon entwickeln, was Erfolg bedeutet.

Eine Plakatkampagne allein macht noch keine wissenschaftlichere Gesellschaft. Aber sie stellt eine starke Frage: Was würde sich verändern, wenn Forschende in unseren Städten genauso sichtbar wären wie Prominente?

China News · FotoberichtBericht zur Zhengzhou-Metro-Kampagne
Künstlerische Darstellung der beschleunigten Expansion des Universums

Die Kraft, die das Universum antreibt, könnte nicht konstant sein

Kombinierte DESI-DR2-Daten liefern Hinweise, dass sich Dunkle Energie mit der Zeit verändern könnte – eine Entdeckung ist das noch nicht.

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1998 machten Astronomen eine überraschende Entdeckung: Das Universum dehnt sich nicht nur aus – seine Expansion beschleunigt sich. Die Ursache dafür nennen wir Dunkle Energie.

Im kosmologischen Standardmodell ΛCDM wird sie durch Einsteins kosmologische Konstante Λ beschrieben. Ihre Energiedichte bleibt dabei konstant. Doch genau diese Annahme könnte unvollständig sein.

Das Dark Energy Spectroscopic Instrument, kurz DESI, vermisst Millionen Galaxien und Quasare und rekonstruiert damit die Expansionsgeschichte des Universums über rund elf Milliarden Jahre. Die zweite große Datenauswertung, DESI DR2, lieferte deutlich präzisere Messungen als zuvor.

DESI allein liefert keinen Beweis für eine veränderliche Dunkle Energie. Werden die Daten jedoch mit Messungen der kosmischen Hintergrundstrahlung und verschiedenen Supernova-Datensätzen kombiniert, passen Modelle mit zeitlich veränderlicher Dunkler Energie teilweise besser zu den Beobachtungen als eine unveränderliche kosmologische Konstante.

Je nach Datenkombination lag die statistische Signifikanz bei etwa 2,8 bis 4,2 Sigma. Das ist interessant, aber noch keine Entdeckung.

Sollte sich der Trend mit weiteren Beobachtungen bestätigen, wäre eine zentrale Annahme des kosmologischen Standardmodells möglicherweise nicht die vollständige Beschreibung unseres Universums. Dann könnte auch die langfristige Entwicklung des Kosmos anders aussehen als bisher angenommen.

DESI hat sein ursprünglich geplantes fünfjähriges Beobachtungsprogramm 2026 abgeschlossen. Weitere Beobachtungen und Projekte wie Euclid sollen helfen, die Frage genauer zu beantworten: Ist Dunkle Energie wirklich konstant?

Quellen: DESI Collaboration, DR2 Cosmology Results; Lawrence Berkeley National Laboratory; Nature Astronomy.